2021-01-09

Ein zuckersüßer Sieg

"Jetzt fehlt nur noch die notwendige Effektivität - dann klappt's hoffentlich auch mit dem Rekordmeister." Damit schloss ich vergangene Woche meinen Bericht vom Bielefeld-Spiel. Gesagt, getan. Das waren heute drei ganz dicke Big Points für das Tabellenkonto - und noch mehr für die Seele aller Borussen.

Und das, wo der Boulevard diese Woche schon wieder Spieler um Spieler zum Gegner geschrieben hatte. Wo die Ausgangslage hieß: Mannschaft, die keinen Vorsprung über die Zeit bringt, spielt gegen Mannschaft, die alle Rückstände aufholt. Ätschibätsch - alles Blödsinn. Jedes Spiel muss erst (bis zu Ende) gespielt werden. Und erstaunlicherweise läuft doch nicht immer alles so, wie ein Lewandowski, Müller oder Mund-Nasenschutz-Versager Rummelfliege sich das vorstellen.

Dabei hatten die Gäste alles doch zu Füßen gelegt bekommen. Ein Witz-Elfmeter, der einen Fußballgott vom Glauben abfallen lassen könnte (dazu später mehr), erlaubte dem polnischen Überstürmer das, was ihm über die 94 Minuten sonst nicht vergönnt war - ein leichter Torabschluss. Und in die etwas ungeordnete Spielphase dann noch das viel zu leichte 2:0 von Goretzka, das nach einem sehr vermeidbaren Ballverlust und einer eher begleitenden Verteidigung des Torschützen fiel. Da war es kurz davor, eins der vielen Spiele gegen die Bayern zu werden, bei dem man sich mit dem Gedanken an den frühzeitigen Schlusspfiff beschäftigt.

Doch interessanterweise hatte dieser Spielstand eine völlig gegensätzliche Wirkung bei den Spielern auf dem Platz. Die Münchner lehnten sich ein bisschen zurück, nahmen die zuvor doch relativ überschaubaren Versuche der Gladbacher, in ihre Hälfte zu kommen, nicht mehr so recht ernst. Und die Rose-Elf begann, das zu machen, was sie sich von Anfang an vorgenommen hatte. Viel Vertikalspiel, und mit wenig Ballkontakten möglichst viel Raum überspielen, um hinter die hoch stehende, offensive Verteidigungslinie des Gegners zu kommen. Und sie drehte mit drei Toren in nur 13 Minuten (!) ein schon entglitten geglaubtes Spiel. Wahnsinn.

Natürlich, es brauchte etwas Glück, dass der Anschlusstreffer so schnell fiel und Lars Stindls erster Geniestreich mit dem Steckpass auf Jonas Hofmann ohne Gegnerberührung durch die Abwehr flitzte. Aber wie auch dieses Tor wieder herausGESPIELT wurde, war sensationell. Könnte man die Gladbacher Tore dieser Saison einrahmen und an die Wand hängen - meine Wände wären voll davon. Denn sie sind Kunstwerke, Meisterwerke - einfach wunderschön.

Gleiches gilt natürlich für das 2:2 und das 3:2, bei denen jeweils die immer besser funktionierende Pressingfalle zuschnappte und dann gefühlt in Lichtgeschwindigkeit die Post nach vorne abging. Immer an entscheidender Stelle dabei: Lars Stindl und Jonas Hofmann, die beide heute das Prädikat Weltklasse verdienten, weil sie aus einer sehr überzeugenden Mannschaft durch ihre Tore und Assists und ihre intelligente Zweikampfführung und Kampfkraft noch ein bisschen mehr herausragten.

Andere waren nicht ganz so auffällig, aber dennoch bemerkenswert wertvoll für den Erfolg: Christoph Kramer etwa nähte bei seiner Tagesleistung von 13,3 Kilometern (!) wie eine gut geölte Maschine massenhaft sich bildende Mittelfeldräume für die Roten wieder zu. Flo Neuhaus verband mit seiner Spielintelligenz die Räume im Spiel nach vorn nach schwächeren ersten Minuten immer besser und half schließlich in der Verteidigung überall da aus, wo Außenspieler Ramy Bensebaini oder ein anderer nicht immer hinterherkam. 

Die Gladbacher liefen sensationelle 123,13 Kilometer, die Bayern nur 116,77, was nur zum Teil durch ihren Ballbesitzvorteil (67 %) erklärbar ist. Nein, die Gäste wurden nicht nur effektiv ausgekontert, sie wurden auch über weite Strecken totgelaufen. Das war auf Gladbacher Seite dann vor allem in den letzten 15 Minuten zu sehen, als einige Spieler nicht mal mehr dem Ball zum Konter hinterhersprinten konnten und der Lucky Punch der Gäste irgendwie logisch gewesen wäre. Wenn nicht die Truppe von Hansi Flick zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen wäre, um die platten Gegner cleverer zu bespielen. Aber so dominant die Bayern in der Schlussphase auch waren - sie bekamen kaum Torgefahr zustande

Die robuste VfL-Innenverteidigung schickte nahezu alle Bälle, die die Bayern zunehmend einfallsloser in den Gladbacher Strafraum schickten, humorlos zurück, ein Matze Ginter legte jeden Körperteil in den Weg und ging nicht nur nach einem Sané-Schuss kurz K.o. - er rettete den Sieg auch mit einer klärenden Aktion kurz vor Schluss und kurz vor der Linie. Er, Elvedi, aber auch Lainer und später Jantschke, hatten großen Anteil daran, dass Robert Lewandowski mit ganz schlechter Laune aus diesem Spiel ging.

Und was war mit Denis Zakaria? Er war lange nicht so auffällig wie gewohnt, aber das war heute auch nicht seine Aufgabe. Es ist hervorragend, wie sich der Schweizer auch auf ungewohnten Positionen immer wieder in den Dienst der Mannschaft stellt. Er kam im Mittelfeld über rechts und hatte anfangs Probleme, seine Rolle zu finden. Doch auch er wurde nach dem Rückstand deutlich sicherer und trug mit seiner Dynamik nach vorn viel dazu bei, dass der pfeilschnelle Alphonso Davies heute gar nicht ins Rollen kam. Auch wenn es nicht seine ideale Position war - allein die Szene vor dem 3:2 bewies einmal mehr seine Qualität für die Mannschaft. DEnn er war es, der mit seinem Laufweg nach außen den Bayernverteidiger mitzog, sodass Florian Neuhaus mehr Zeit hatte, seinen feinen Schuss ins Eck zu zirkeln.

Hut ab vor dem unverwüstlichen Stevie Lainer, der auch in der Nachspielzeit noch Sprints anzieht, die den Gegnern ganz sicher ein leises "Öch nö, lass das doch" entlocken. 

Verbeugung vor Breel Embolo, der nach schwachem Beginn als Ballfestmacher und Räumeöffner immer wichtiger wurde. Es gab wohl kaum ein anderes Spiel, wo er nicht einen einzigen Torschuss abgab und doch sehr zufrieden mit sich sein darf, weil er zu den ganz wichtigen Spielern dieses Spiels gehört hat.

Und natürlich Applaus für Ramy Bensebaini, dem ja gerade in der ersten Hälfte vieles noch nicht so recht gelang. Er musste ungewohnt oft die Arme zuhilfe nehmen, damit ihm Gegenspieler nicht entwischten. Zu Beginn hatte er auch durchaus etwas Glück, dass sich Sané bei seinem Klammergriff im Strafraum nicht fallen ließ. Aber vielleicht ist das auch die Qualität eines Spielers, der schon große Titel gewonnen hat - dass er sich wie Ramy heute nicht beirren lässt und sich mit dem gleichen Selbstvertrauen weiter in die Partei beißt. Er holte heute wirklich alles raus, was er derzeit in die Waagschale werfen konnte. Ich hoffe, es trägt ihm nicht neue gesundheitliche Probleme nach seiner Covid-Erkrankung ein.

Ja, das war ein teilweise wildes Spiel beider Mannschaften mit einigen Slapstick-Szenen, etwa als ein Flachabstoß (des heute kaum geforderten) Yann Sommer zurückgespielt wurde und durch den Fünfmeter-Raum in Toraus trudelte. Aber das machte am Ende nichts, weil der Gegner sein Spiel einfach nicht durchbrachte. Und dass die Bayern unbedrängt Bälle ins Aus spielen so wie heute mehrfach, das ist ja auch eher selten zu sehen.

Diese drei nicht unbedingt fest eingeplanten Punkte heute waren immens wichtig für die Tabellenkonstellation. Das sieht man schon daran, dass Borussia sich trotzdem nicht von Platz 7 vorschieben konnte. Doch das Wichtigste an diesem Sieg heute war etwas anderes, nämlich die doppelte Erfolgserfahrung. Eine der besten Mannschaften der Welt - "einen Großen" - niedergerungen zu haben. Und das noch nach einem 0:2-Rückstand.
Wie wichtig wird es für die Spieler sein, dass sie nicht wie nach den Spielen gegen Real und Inter, wo es eben wieder nicht ganz gereicht hatte, mit etwas hängenden Köpfen vom Platz gingen, sondern diesmal die guten Leistungen auch veredelt haben. Die Effektivität war brutal gut, ganz anders als zuvor.

Dieser Sieg war beides: erarbeitet und in den richtigen Momenten auch sensationell herausgespielt. Und das tut allen im Verein gut, aber natürlich auch uns Fans, die dieses Fest leider wieder nur aus der Ferne sehen und nicht hautnah im Stadion spüren konnten.

Bleibt noch der Blick auf den letztlich nicht spielentscheidenden Elfmeterpfiff. Der von mir schon öfter kritisierte Harm Osmers zeigt heute eigentlich die beste Leistung, die ich von ihm bisher gesehen habe. Was noch nicht so viel heißt, weil es ihm die Spieler auch recht leicht machten. Zwar lag er dann und wann in der Zweikampfbewertung daneben, aber nicht so, dass er ein Team dabei bevorteilt hätte. Ok, die Gelbe Karte für Ginter empfand ich als überzogen, weil sein Gegner mehr in ihn reinstürzte als dass der ihn gefoult hatte. Aber gut.

Achtung, Aktualisierung (9.1.21): So wie im Text, der jetzt folgt, habe ich die Szene während des Spiels und in den Zeitlupen gestern wahrgenommen - also, dass die Bilder eine Berührung des Balls mit der Hand nicht hergeben. Ich habe es mir jetzt noch mehrmals angeschaut und muss mich korrigieren. Von der hinteren Perspektive kann man doch erkennen, dass es der Zeigefinger ist, der vom Ball nach hinten gedrückt wird. Das habe ich gestern Abend so nicht gesehen.
Das ändert zwar an der ganz grundsätzlichen Kritik nichts, dass dem Stürmer kein Nachteil entstanden ist. Allerdings ist damit meine regeltechnische Argumentation - und meine Kritik an Harm Osmers und Christian Dingert entkräftet. Die Hand berührt den Ball, es ist strafbares Handspiel und somit Elfmeter. Das muss ich der Fairness halber auch hier so deutlich machen. Ich lösche aber aus Transparenz- und Verständnisgründen meinen Ursprungstext nicht, sondern setze ihn in Kursivschrift, damit jeder, der nachliest, dem auch folgen kann.

Doch die Szene in der 18. Minute muss ich letztlich auch ihm und dem VAR Christian Dingert anlasten. Ich weiß natürlich, dass das nicht jeder so sehen wird. Aber es geht mir um Grundsätzliches.
Es ist unstrittig, dass der Arm von Flo Neuhaus verdächtig rauszuckte, bevor der Spieler dann doch versuchte, mit dem Bein an den Pass zu kommen, der Lewandowski letztlich erreichte. Spielt der Gladbacher also da den Ball mit der Hand, ist es eine klare Sache, über deren Unnötigkeit man sich ärgern kann, die aber völlig zu Recht einen Elfmeter nach sich ziehen würde.

Doch was war in dieser Szene? Der Ball von Davies erreichte Lewandowski ohne eine in den Fernsehbildern sichtbare Abfälschung seiner Bahn. Der Stürmer kann den Ball sogar sauber annehmen und legt ihn sich erst mit dem zweiten Ballkontakt zu weit vor. Das ist der Grund, weswegen die Chance verpufft, nicht die Aktion von Neuhaus. Selbst eine Irritation durch Neuhaus`Hand ist nicht gegeben. 

Was ist daran dann bitte der Regelverstoß? Die Annahme, dass der Spieler den Vorsatz hatte, den Ball mit der Hand zu stoppen? Der Versuch ist nicht strafbar, soviel ist klar. Und eine merkliche Berührung von Hand und Ball geben die Bilder meiner Meinung nach nicht her. Wenn dessen ungeachtet dann doch ein Strafstoß verhängt wird, ist das ein Problem. 

Ich glaube, ich wiederhole mich da, aber wir dürfen nicht zulassen, dass die Regeln, die sportwidriges Verhalten sanktionieren sollen, stattdessen zum Konstruieren von sportfremden Entscheidungen führen. Wenn zwei Schiedsrichter erst minutenlang über Zeitlupenbildern brüten müssen, um zu erkennen, ob ein Spieler mit der Hand am Ball war, und wenn sie dann eine Berührung mit den Fingerspitzen eher annehmen als beweisen können, die zudem aber keinen Einfluss auf die Flugbahn des Balles und die anschließende Aktion des Gegners hat, dann hat das nichts mehr mit dem Bestrafen eines offensichtlichen Regelverstoßes zu tun. Dann sind wir in der Regel-Biegerei. 

In einem Bundesligaspiel zweier Topteams - aufgrund dieser dünnen Beweislage - ein Team dann derart zu bevorteilen, ist aus meiner Sicht keine souveräne Entscheidung, sondern eine, die eher Unsicherheit über den Umgang mit solchen Zweifelsfällen und möglicher Konsequenzen für den Schiri verrät. Offenbar trauen sich in solchen Grenzsituationen nur vereinzelte unserer Spitzenschiedsrichter, eine an der realen Spielsituation orientierte Entscheidung zu treffen und diese dann im Nachhinein - wenn nötig - auch gegen Kritik zu verteidigen. Dass Osmers und Dingert nicht zu jenen gehören, überrascht mich wiederum nicht. 

Zum Glück muss ich mich darüber nur "theoretisch" ärgern, denn es hat mit dem Sieg ja trotzdem noch geklappt. Und es lenkt auch schon wieder vom grandiosen "Sieg des Willens" unserer Borussia ab, den wir alle genießen dürfen. Aber wer meine Texte öfter liest, weiß ja auch, dass es mir bei solchen Exkursen um die "Gerechtigkeit" im Sport geht. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich meine Meinung in dieser Szene genauso vertreten würde, wenn sie auf der anderen Seite passiert wäre. Natürlich hätte ich mich natürlich trotzdem über einen daraus resultierenden Elfmeter(treffer) gefreut. Aber das widerspricht sich auch nicht.

Damit gute Nacht und eine schöne Woche an alle Bayern-Quintrupel-angeblich-weltbeste-Mannschaft-Besieger-Fans! Die Seele brennt - heute besonders, für unseren einzig wahren Star!
 

Bundesliga 2020/21, 15. Spieltag: Borussia  Mönchengladbach - Bayern München 3:2. Tore für Borussia: 1:2 Hofmann, 2:2 Hofmann, 2:3 Neuhaus.

Saisonspende: Das hat sich gelohnt: Die Bayern-Siegprämie von 10 Euro und drei schicke Törchen, das macht insgesamt 11,50 Euro. Spendensumme Stand heute damit: 79,50 Euro.

Zur Erinnerung, darum geht's: Ich spende am Ende der Saison einen Betrag X für einen (oder mehrere) gute(n) Zweck(e), auf den/die ich mich später festlege. Die Spendensumme setzt sich wie folgt zusammen: Jedes erzielte Tor von Borussia in den drei Wettbewerben: 50 Cent. Jedes Tor von Tony Jantschke: 10 Euro. Platzverweis von Max Eberl oder Marco Rose: 2,50 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 5 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg oder Wolfsburg: 10 Euro. Tore oder Vorlagen von Gladbacher Spielern in der deutschen Nationalelf: 1 Euro. Erreichen der K.o-Phase und für jede weitere erreichte CL-Runde: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Meisterschaft oder Finalsieg in CL oder EL: 50 Euro. DFB-Pokalsieg: 30 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

Kommentare:

  1. Hi, lese Deinen Blog sehr gerne. Heute gibst Du mir jedoch eine Steilvorlage. Hinsichtlich der Schiedsrichterbewertungen teile ich Deine Selbsteinschätzung nicht. Ich lese die Absätze, in denen Du Dich an den Schiedsrichtern abarbeitet immer mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Ganz so flexibel empfinde ich Dein Urteil nicht, wenn auch in der Tendenz meist richtig und angebracht. Mach trotzdem weiter so, Dein treuer Leser Lutz

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  2. Hallo Lutz,
    vielen Dank für deine Offenheit, das schätze ich sehr. Ja, ich bin mir der Problematik durchaus bewusst. Nicht jeder mag meine häufigen/ständigen Schiri-Bewertungen lesen oder auch meine Meinung teilen.
    Ich würde es auch gern zurückfahren, aber ich finde doch so oft etwas, was ich loswerden muss. Dieses Blog ist ja nicht ausschließlich als Unterhaltung für andere Fans gedacht, das muss ich zugeben. Ausgangspunkt für den Start damals war für mich unter anderem, dass das darüber schreiben mir selbst hilft, runterzukommen und das Spiel zu verarbeiten, also eine Art "Selbsthilfe".
    Und da ich meist relativ kurz nach Abpfiff schreibe, ist vieles natürlich auch noch sehr frisch und wird entsprechend emotional von mir abgehandelt. Vielleicht würde ich zwei Tage später schon milder über manches hinwegsehen können. Aber das ist mir für meine Texte zu spät.

    Ich hoffe, dass diejenigen, die nicht so viel über den Schiedsrichter lesen wollen, diesen Teil dann einfach großzügig überlesen, aber nicht deshalb aufhören, bei mir reinzuschauen. Insofern bin ich froh, wenn du mit einem Lächeln drüber hinweggehen kannst, wenn du es anders siehst. Ich diskutiere es aber auch gern noch tiefer bei Bedarf - und ich bin auch nicht ganz beratungsresistent, hoffe ich (obwohl Collinas Erben das drüben auf Twitter möglicherweise anders sehen) ;-)

    Ich bin mir auch dessen bewusst, dass viele Dinge, die ich kritisiere, streng regeltechnisch als korrekt gelten. Aber leider bin ich ein Gerechtigkeitsfanatiker, der nicht gut damit abfinden kann, dass vergleichbare Szenen immer wieder anders ausgelegt werden. Einer meiner grundlegenden Kritikpunkte an den ständig weiterentwickelten Regelauslegungen ist ja, dass immer ein Ermessenspielraum bleibt, mit dem man die Entscheidung rechtfertigen kann. Das soll möglicherweise eine Schutzfunktion für den Schiedsrichter haben, und es ist ja auch wichtig, dass ein Unparteiischer sich nicht vor einer klaren Entscheidung fürchten oder dann vor einer unangenehmen drücken darf. Doch diese Ungleichheit in der Auslegung, die aber stets auch irgendwie noch in die Norm reinpasst, ist das, worüber sich alle dann die Köpfe heißreden und worauf manche Schieber-Vorwürfe dann basieren. Beispiele brauche ich dir sicher nicht zu nennen, du kennst dich gut genug aus, wie ich glaube.

    Und da in diesem Sport vor allem auf diesem hohen Niveau schon kleinste Nuancen über Sieg oder Niederlage entscheiden können, kann ich sehr schlecht damit leben, wenn auch die Unparteiischen noch zusätzlich Einfluss darauf nehmen (ja, ich weiß, das wird sich nie ganz ausschalten lassen). Da habe ich natürlich auch die Fanbrille auf. Ich versuche aber auch immer, genau herzuleiten, was mein Problem damit ist und dass ich dies bei einem anderen Verein genauso sehen würde.

    Klar ist nur eins: Ich unterstelle keinem Schiedsrichter, dass er eine Mannschaft absichtlich verpfeift, auch wenn eine aus meiner Sicht schlechte Leistung am Ende genau danach aussehen kann.

    Und: Ich versuche auch immer deutlich zu machen, dass ich nicht allein den Schiri für den Spielausgang verantwortlich mache, weil natürlich die Spieler durch eigene Fehler die strittigen Entscheidungen in aller Regel erst herbeiführen - siehe den blöden Reflex von Flo Neuhaus, mit der Hand Richtung Ball zu gehen. Macht er das nicht, können wir uns die ganze Diskussion sparen. Das versuche ich schon im Blick zu behalten.

    So, jetzt habe ich schon wieder ganz schön viel Text abgelaicht, das soll erstmal reichen. Ich freue mich jederzeit über weiteren Input von dir, gern auch kontrovers. Das macht es ja alles auch noch etwas lebendiger.

    Liebe Grüße, Michael

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  3. Mach einfach weiter so, rede/schreibe dir es so von der Seele wie du es gerade denkst, genau dies Emotionen und Gedanken treiben uns normale Fans auch ständsig um!
    Gequirlte Statistik Blogs, Tweets, Foren uvm. gib es im Mainstream genug.....das brauchen wir hier nicht!

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  4. Ich kann mich der Kritik an Schiri Osmers nur anschließen. Wäre die hauchzarte Berührung dea Neuhausschen Zeigefingers nicht gegen Bayern München geschehen, sondern gegen jeden anderen Bundesligaverein, dann wäre der Kölner Keller stumm geblieben.
    Dass es zur Bevorteilung der Bayern nicht mal eines Videoassistenten bedarf, konnte gestern Abend im DFB-Pokalspiel der Bayern in Kiel bewundert werden. Die mit bloßem Auge in Normalgeschwindigkeit deutlich zu erkennende Abseitsstellung von Gnabry vor dem 0.1 ist dem Assistenten an der Linie doch glatt entgangen. Derselbe Assistent schien sich dann jedoch in der Halbzeitpause einer Augenbehandlung unterzogen zu haben, da er jede noch so knappe Abseitsstellung der Kieler in der 2. Halbzeit mit eifrigem Winken quittierte.
    Zu meiner Freude hat diese Fehlentscheidung den Bayern allerdings gestern genauso wenig genutzt wie am Freitag.

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