Unter dem eigenen Anspruch

Nicht viel dazugelernt - auf diesen kurzen Nenner lässt sich das Spiel heute und die erste Saisonniederlage im Heimspiel gegen Frankfurt bringen. Und so, wie das 2:2 von Augsburg in Ordnung ging, ist auch der Sieg der Gäste nicht unverdient. Klar, nach den ersten guten 25 Minuten stellte sich die Eintracht nur noch hinten rein und verlegte sich auf Fußballverhinderung. Doch erstens ist das legitim. Und zweitens muss sich Borussia daran messen lassen, wie man mit solchen Herausforderungen umzugehen weiß, wenn man gern wieder in die Reichweite der Europapokal-Plätze kommen möchte.

Und da muss man leider sagen, kann der VfL im Moment nicht überzeugen. In der Anfangsphase wurde die Mannschaft genauso überrumpelt vom aggressiven Pressing des Gegners wie vor zwei Wochen - sie hatte Glück, dass es dank Boatengs Abseitsaussetzer nicht wieder schon nach wenigen Sekunden 0:1 stand. Und im Laufe des Spiels, als Kramer und Co. dann endlich die Spielkontrolle hatten, war das Spiel in der Hälfte der Eintracht zu wenig zwingend, es gab zu viel Quergespiele und zu wenig Tempo in den Aktionen.

Das Ergebnis waren ganz wenige erstklassige Chancen und das Gefühl, dass der VfL noch weitere 90 Minuten hätte spielen können, ohne Torgefahr auszustrahlen. Auch wenn die Frankfurter heute geschickt und clever verteidigt haben und in der ersten Halbzeit die Schwächen in einer lasch agierenden Gladbacher Defensive offenlegten: Borussia wäre gut beraten, sich an die eigene Nase zu fassen. Denn wie schon für ein paar Minuten gegen Köln und eine Halbzeit in Augsburg blieb die Hecking-Elf auch heute einiges schuldig. Und die Auswechslungen brachten zwar etwas Schwung, aber keine Wende.

Mich hat gewundert, warum Denis Zakaria, in der ersten Halbzeit der beste Mann, auch diesmal wieder frühzeitig duschen gehen musste, obwohl doch gerade seine Passsicherheit und die eine oder andere unkonventionelle Aktion in der Schlussphase des Spiels hätte helfen können. In den ersten beiden Spielen musste er jeweils gelbbelastet vom Feld, das vermied er heute mit deutlich verbessertem Zweikampfverhalten. Warum er durch Hofmann ersetzt wurde und nicht der erneut deutlich unter seinem Leistungsvermögen agierende Oscar Wendt, der durch die Umstellung auf Dreierkette nach der Halbzeit in der Abwehr "überflüssig" wurde, das habe ich nicht verstanden. 

Ein paar Worte will auch mal wieder zum Schiedsrichter verlieren, auch wenn ich das Gespann ausdrücklich nicht mit dem Ausgang des Spiels in Zusammenhang bringen will. Denn verloren hat Borussia heute ganz allein. Sehr positiv fand ich die üppige Nachspielzeit, die endlich einmal angemessen berücksichtigte, wie der Gegner Zeit zu schinden versuchte. Das fing ja schon in der ersten Halbzeit an und fand seinen Höhepunkt in der Einlage von Gacinovic, der kurz vor Schluss im fairen Zweikampf mit einem Gladbacher erst ins Aus rollte und verletzt liegenblieb, um dann zurück aufs Spielfeld zu robben. Die folgende Spielunterbrechung kostete Minuten, die Kampka zum Ärger der Gäste aber konsequent nachspielen ließ.
Weniger gut gefiel mir seine nachlassende Linie in der Schlussviertelstunde. Erst gab er zwar die korrekten Verwarnungen gegen Fernandes (der schon in der ersten Halbzeit hätte Gelb sehen müssen für ein heftiges Einsteigen gegen Raffael) und gegen Vestergaard. Doch dass dann Hazard Gelb sah, ohne gefoult zu haben und Villalba (gutes Debüt!) für den ersten Zweikampf und ein harmloses Aufstützen, das trübte doch den insgesamt guten Eindruck des Referees. 
Dass der Schiri Abrahams Hand auf Bobadillas Schulter nicht ahndete, als der Frankfurter als letzter Mann den Neuzugang des VfL aus dem Konzept brachte, sodass der den vor ihm und Hradecky aufspringenden langen Pass nicht zu verwerten wusste: geschenkt. Das war wohl nicht genug Behinderung. 
Die folgende Szene der beiden im Eintracht-Strafraum war für mich aber eindeutiger. Erst traf Abraham Boba mit dem Knie, dann schubste er ihn mit beiden Händen weg. Dass da auch der Videoschiedsrichter in der Zeitlupe kein regelwidriges Einsteigen sah, ist mir unverständlich. Aber was nützt es? Vielleicht hätte dem VfL ja heute auch nicht mal ein Elfmeter zum Ausgleich verholfen.


Bundesliga, Saison 2017/18, 3. Spieltag: Borussia Mönchengladbach -Eintracht Frankfurt 0:1

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