2015-05-03

Nervenzerreißend nervenstark

Heute lassen sich die 90 Minuten gut zusammenfassen: Meine Nerven! Stolz auf mein Team! Und danke an Ibo Traoré für die späte Erlösung!

Betrachtet man es nüchtern, war es ein richtig gutes Spiel des VfL - trotz erschreckend vieler Konzentrationsschwächen. Fehlpässe im Spielaufbau, leichte Ballverluste und verzogene Torschüsse aus guten Positionen: Normalerweise reicht das einem Gegner, um uns richtig wehzutun. Zum Glück blieb es bei dem einen Gegentor, das nun wirklich eins der vermeidbarsten in der ganzen Saison war.

Aber wenn es ein Happy End gibt, lohnt es sich ja wenigstens, sich während des Spiels die Haare zu raufen über Borussias schlampige Chancenverwertung. Denn natürlich hätte der Sieg am Ende um ein, zwei Tore höher ausfallen müssen. Ihn wegen des späten Zeitpunkts als glücklich zu bezeichnen, wäre deshalb nichts anderes als ein Witz.
Aber wichtiger ist die Einstellung, mit der Borussia den Gegner im Moment über 90 Minuten unnachgiebig bearbeitet. Die Spieler strahlen ein positives Selbstbewusstsein aus, das offenbar unerschütterlich ist. Es ist der feste Glaube daran, das Spiel im Griff zu haben und einfach nur immer weiter spielen zu müssen, bis die Belohnung kommt. Nicht arrogant in der Körpersprache, nicht überheblich, sondern voller selbstverständlicher Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten. Das ist das Erfolgsgeheimnis im Kampf um Platz 3, und es ist eine Eigenschaft, die man nicht antrainieren kann. Diese Selbstverständlichkeit im Spiel haben sich die Borussen über den gesamten Saisonverlauf hinweg erarbeitet - und sie sind fest entschlossen, sich von nichts und niemandem mehr davon abbringen zu lassen.
Diese Mannschaft ist eine gefestigte Einheit, und ich sage, es ist vielleicht die beste Borussia-Mannschaft seit den siebziger Jahren. Ja, auch mit Reus hatte Gladbach eine tolle Saison, mit Heiko Herrlich und Martin Dahlin, mit Effenberg und Matthäus gab es Erfolge. Doch es war meist die Euphorie, die Borussia getragen hat. Borussia 2015 spielt abgeklärter, schon fast wie ein Meister (von dem sie gleichwohl unglücklicherweise noch immer weit entfernt ist).
Und weil man das heute ganz besonders deutlich spüren konnte, trotz aller beschriebenen Unzulänglichkeiten, war das heute in Berlin für mich einer der wichtigsten und schönsten Siege der Saison. Nicht zuletzt auch angesichts des ärgerlichen Bayerngeschenks an den Konkurrenten Leverkusen, das den Druck auf Borussia noch erhöht hatte. Und ich glaube, so wie die Fans im Olympiastadion drauf waren, stehe ich mit dieser Einschätzung nicht alleine.

Bundesliga, 31. Spieltag 2014/15: Hertha BSC - Borussia Mönchengladbach 1:2 (3.5.15)

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