Oh, what a night!

Champions-League-reif: Die Choreo gegen Manchester City von Block 6A (Südkurve) aus gesehen
Eigentlich alles passte beim eindrucksvollen ersten Champions-League-Heimspiel gegen Manchester City - nur das Ergebnis mal wieder nicht. Wie gegen Lazio 2013, wie schon gegen Sevilla in diesem Jahr. Einmal mehr zeigte sich: Borussia kann europäische Spitzenteams ins Wanken bringen, aber (noch) nicht zum Fallen. Dennoch war es für mich und 46215 andere ein unbeschreiblicher Abend im Borussia-Park, einer, an dem man wieder einmal sehr stolz sein konnte auf die Mannschaft, den Verein und vor allem auf die Fans des VfL.

Da bleibt natürlich allen voran die sensationelle stadionumspannende Choreo im Gedächtnis, für deren Planung, Vorbereitung und Umsetzung ich allerhöchste Hochachtung habe (man beachte den doppelten Superlativ ;-)). Was wäre ein solcher Abend ohne Gruppierungen wie Sottocultura und die vielen Helfer, die das auf die Beine stellen? Was bliebe dann von der Faszination Europapokal? Man müsste nur noch so ödes, immer wieder wiederholtes Kommerzgeplärre zwischen "Gazprom" und "No racism" (man beachte den Widerspruch) über Stadionlautsprecher ertragen. Uninspiriertes Geseiere vom Band - das eben, was die Uefa unter Rahmenprogramm versteht. Die Uefa, die in alle Abläufe reindirigiert und die es auch diesmal wieder schaffte, dass der gewohnte Ablauf der Borussia-Fans empfindlich gestört wurde. Vom Zeitplan gehetzt, ratterte Stadionsprecher Knippi das sonst bewusst zelebrierte "Bist du bereit..." an die Kurven noch rasch herunter, der "Elf vom Niederrhein" fehlte nach hinten heraus der Schlusspunkt, und all das nur, damit diese hässliche CL-Jodelhymne auf die Sekunde genau erklingen konnte.

Umso besser, dass das Spiel hielt, was es versprach. Das unfassbar teure Starensemble von der Insel zeigte sich 60 Minuten lang ziemlich beeindruckt von dem, was ihnen André Schuberts Schützlinge auf dem Feld abverlangten. Unglaubliche Laufbereitschaft, geschicktes Verschieben in den Räumen, gutes Zweikampfverhalten mit aufopferungsvollem Einsatz, schnelle, gute Kombinationen nach vorne, die allerdings zu oft mit einem fehlerhaften Zuspiel wieder zunichte gemacht wurden. Dennoch sprang ein gutes halbes Dutzend erstklassiger Torchancen heraus. Hätte nicht Joe Hart so einen guten Tag erwischt, wer weiß, ob City auf einen höheren Rückstand bis zur Pause noch eine Antwort gefunde hätte.
Aber gut, es kam anders. Und wenn man einen Elfmeter nicht nutzt, darf man sich am Ende nicht beschweren, dass das auf der anderen Seite in der Schlussminute dann den Unterschied macht. Wo Raffael patzte, blieb Aguero eiskalt und traf zum insgesamt nicht ganz unverdienten Sieg der Citizens, die ihrerseits eine Reihe von guten Chancen ausgelassen hatten. Ungerecht war es trotzdem, denn der VfL hatte sich erst den Führungstreffer und dann mit der Abwehrschlacht bis zum Schluss zumindest einen Zähler redlich verdient.

Stattdessen gab es eine Fortsetzung der unseligen Strafstoß-Serie gegen uns - es war wohl der neunte Elfmeter im zehnten Spiel, diesmal dann auch unstrittig. Es blieb festzuhalten, dass auch dieser Schiedsrichter Lichtjahre davon entfernt war, Borussia zu bevorteilen und dass es kaum je etwas überflüssigeres gegeben hat als Torschiedsrichter. Schon in der vergangenen Saison hat einer dieser Clowns zum Nachteil von Borussia Schicksal gespielt, auch diesmal kann man die Leistung des Herrn vor der Südkurve nur mit Kopfschütteln quittieren. Einem Eher-nicht-Elfmeter zugestimmt, einen viel klareren direkt vor sich keine Regung gezeigt, und bei der einzigen Szene, für die er eigentlich da war, lag er auch daneben, weil Julian Korbs Rettungsversuch vor dem 1:1 wohl schon hinter der Linie stattfand. Daran aber, das muss man betonen, kann man die zweite Niederlage im zweiten Gruppenspiel nicht festmachen. Obwohl viele Spieler (Sommer, Christensen, Dominguez, Korb, Wendt, Dahoud, Xhaka, Johnson, auch der im Abschluss unglückliche Raffael) wirklich gute Leistungen gezeigt haben, waren die Stars von der Insel am Ende etwas zwingender und ließen einen Angriff nach dem anderen gegen das müder werdende Gladbacher Abwehrbollwerk rollen - so lange, bis ein verlorener Zweikampf im Strafraum die Partie entschied.

Das alles muss nun schnell abgehakt werden - denn jetzt heißt es wieder "Auf, auf, auf in die Bundes League". Hoffen wir, dass der zum Schluss so unglücklich verletzte Yann Sommer schnell wieder fit wird. Mit einer Leistung wie am Mittwoch muss man sich jedenfalls auch gegen Golfsburg nicht verstecken. Die Frage ist nur, ob die Kraft-Akkus dafür schnell genug wieder geladen sind. 


Champions League, Gruppenphase, 2. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Manchester City 1:2 (30.9.2015)

(Tor für Borussia: 1:0 Stindl)




Farbrausch rund um den Borussia-Park


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