2018-12-22

Ach, egal


Nö. Diese Hinrunde lasse ich mir nicht von der letzten Niederlage des Jahres vermiesen. 

Zu allererst sage ich danke - allen im Verein, allen voran den Spielern, dem Trainerteam und dem Management! Für eine gefestigte, talentierte und hochwertig besetzte Mannschaft. Für die überzeugendste Halbserie seit ganz langer Zeit in der Bundesliga - in einer der stärksten Ligen der Welt, in der Gladbach (Stand heute) die zweitbeste Abwehr und den zweitstärksten Angriff stellt.

Ob am Ende des Spieltages auch noch Platz zwei steht oder der dritte Platz hinter den Bayern, ist mir heute egal. Und jedem, der sich genau ansieht, mit wem wir uns da an der Tabellenspitze messen und unter welchen personellen Bedingungen dieses letzte Hinrundenspiel stand, geht es wahrscheinlich genauso. 
Der VfL steht verdient dort, wo er steht und er hat sich das mit tollem Fußball erarbeitet - nicht ergaunert und ermauert, wie die Schalker letztes Jahr.

Die einzig wahre Borussia hat aus ihren Möglichkeiten in diesem 17 Spielen fast das Optimum gemacht. Oft äußerst effektiv, manchmal ein wenig zu schlampig, was Punkte gekostet hat. Das gilt auch für heute, obwohl der Sieg des BVB natürlich in Ordnung geht. Unter dem Strich überwiegt das Positive bei weitem. Und darauf lässt sich aufbauen.

Ärgerlich ist die Niederlage aber dennoch. Weil man durchaus das Gefühl hatte, gegen Dortmund mit seiner Notabwehr geht heute mehr. Weil es dann aber nichts wurde, weil es Neuhaus und Co. heute zu selten gelang, diese Abwehr um Weigl auch zu fordern, damit sie Fehler macht.  

Es ist ärgerlich, verloren zu haben, weil man sehen konnte, wie groß der Dortmunder Respekt vor Gladbachs tödlichen Kontern war (wie umgekehrt auch). Die Gelb-Schwarzen nahmen die Hecking-Elf zum ersten Mal seit langem wieder richtig ernst als Gegner. Und sie hatten Grund dazu. Es war ja nicht grundlos ein solches Belauern und Ballgeschiebe in der ersten Halbzeit, das Hecking ganz treffend "ein Schachspiel" nannte. Das lag vor allem daran, dass kein Team dem anderen ein Loch in der Abwehr öffnen wollte, wo dieser reinstoßen kann.

Gut, der erste Fehler kam von uns, und er wurde gnadenlos bestraft. Aber mit dem schnellen Ausgleich war der Fauxpas des jungen Jordan Beyer schnell wieder repariert. Der hat auch heute wieder einen erstaunlich erwachsenen Auftritt hingelegt - und das vor dieser Kulisse.
Ich würde auch nicht sagen, dass der VfL in der zweiten Halbzeit schlechter gespielt hat. Aber es fehlte die Zielstrebigkeit und die letzte Bereitschaft, unbedingt nach vorne zu spielen. Der Wille, auch mal ins Risiko zu gehen. Möglicherweise nicht ganz zu Unrecht, denn angesichts vieler unpräziser Bälle und unnötiger Ballverluste im Mittelfeld hätte das auch ins Auge gehen können.

Warum man mit diesem Spiel und auch mit dem Ergebnis dennoch leben kann, liegt auf der Hand. Die Verletzungen haben ihren Tribut gefordert. Die Mannschaft war zwar immer noch gut besetzt, aber dennoch eine kleine Notelf. Von der etablierten Viererkette ist nur noch Oscar Wendt übrig gewesen. Tobi Strobl, der nach den Ausfällen von Ginter, Jantschke und nun noch Elvedi heute neben den im Profifußball auf dieser Position noch ziemlich unerfahrenen Beyer rückte, hat seine Stärken auf der Sechs bisher gewinnbringender zeigen können. 
Auf dieser Position musste heute ein sichtlich nicht fitter Chris Kramer einspringen - fast ohne Trainingseinheiten nach seiner Verletzung, aber mit dem wichtigen Tor. 
Auch Johnson mit ohnehin wenig Einsätzen in der Saison ist auf der linken Abwehrseite natürlich nicht so eingespielt wie ein Michael Lang, der erneut auf der Bank blieb.
Und was fehlt, wenn man Stindl und Raffael nicht bringen kann und auch Hofmann nicht über die volle Distanz, muss man niemandem sagen. Das zeigte sich im Endspurt der Hinrunde relativ deutlich. Neuhaus, Plea und Hazard merkte man gerade heute an, dass ihnen die Körner langsam ausgehen und die Winterpause dringend notwendig ist, um zu regenerieren. Und die Jungs, die stattdessen zum Einsatz kamen, sind zwar willig, aber eben auch nicht immer auf dem gleichen Niveau wie die erste Elf, die sich unter Dieter Hecking herauskristallisiert hatte.

Betrachtet man das Spiel unter diesen Gesichtspunkten, muss man sagen, dass das alles schon so in Ordnung geht. Ein wenig ärgerlich bin ich dennoch aus einem anderen Grund. Es war ja schon fast klar, dass nach drei guten Schiedsrichtern hintereinander auch mal wieder ein schlechterer kommen musste. 
Dass Felix Zwayer ein ganz heißer Kandidat dafür war, war auch klar. Dennoch war es mir unbegreiflich, dass er nach einer guten Leitung in der ersten Halbzeit in der zweiten Hälfte einfach aufhörte, klare Fouls der Dortmunder zu pfeifen. Dem 2:1 von Reus ging ein glasklares Foulspiel von Toprak an Plea am Dortmunder Strafraum voraus, es hätte in dieser Szene also nie zu diesem Angriff und zum Tor kommen dürfen. Auch danach ließ Zwayer eine gute Handvoll deutlicher Fouls mit seiner bekannt arroganten Weiterspielen-Geste ungeahndet, woraus jeweils gefährliche Konter des BVB wurden. Vor allem Plea musste darunter leiden. Seine großzügige Linie in der Spielleitung (ohne Gelbe Karten) verließ Zwayer dann ausgerechnet bei einem harmlosen Foul von Cuisance. Aber was solls. Immerhin ließ er das Zeitspiel der Dortmunder am Ende halbwegs konsequent nachspielen. Doch da hatte Gladbach schon nichts mehr zuzusetzen, um noch den Ausgleich zu erzwingen. 

Nun gut, damit will ich es heute bewenden lassen. Ich danke unserer Borussia für ein tolles Jahr, vor allem seit August. Bis auf das blöde Aus im Pokal gab es schließlich kaum Ausreißer nach unten. 
Und ich danke euch dafür, dass ihr euch für meinen Blog interessiert. Dafür zu schreiben macht in der aktuellen Saison natürlich deutlich mehr Spaß bringt als in der ersten Jahreshälfte. 

Ich wünsche euch schöne Feiertage und feine Träume von dem, was der VfL im neuen Jahr noch erreichen kann. Und ich melde mich bald schon wieder. Bis dann!


Bundesliga 2018/19, 17. Spieltag: Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 2:1 (Tor für Borussia: 1:1 Kramer)

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