Achtelfinalverwaltung

Ich weiß, es gehört sich nicht zu meckern, wenn man wie Borussia ein solch bescheidenes Halbjahr hinter sich hat und dann im DFB-Pokal - ersatzgeschwächt und auswärts - sehr souverän und ungefährdet ins Viertelfinale einzieht. Es ist völlig in Ordnung, dass Trainer und Spieler das Spiel als gelungen abhaken und als weiteren Schritt in die richtige Richtung, der weiteres Selbstvertrauen gibt. Das war es ja auch. Aber...

...es hätte heute Abend durchaus etwas mehr sein dürfen. Mehr konzentriert zu Ende gespielte Angriffe, mehr daraus resultierende Tore, weniger Leerlauf und weniger Rückpässe. Denn das Spiel wurde trotz schwungvollen Beginns des VfL nicht durch die Gladbacher Fußballkünste entschieden, sondern durch den groben Tritt gegen Christoph Kramer, der zurecht mit Rot bestraft wurde.
Auch wenn Fürth im Anschluss für ein paar Minuten sogar fast besser spielte als mit elf Mann - über die 70 Minuten in Unterzahl waren sie meist die Hasen, die zwischen den Hecking-Igeln erfolglos hin- und herrennen mussten. Und an diesem ungleichen Kampf berauschten sich die Spieler des VfL zunehmend, indem sie weitgehend risikolos, aber nicht ohne Schlampereien, eine wahre Passorgie feierten, das Ergebnis buchstäblich verwalteten und dabei das Hauptziel des Spiels, die Tore, zunehmend aus dem Blick verloren. Es war aus diesem Grund ein fast ärgerlich langweiliges, im Keim ersticktes Spiel. Und eine verlorene Gelegenheit für Spieler wie Drmic, Herrmann, Johnson und Hahn, sich durch Erfolgserlebnisse nach ihren verletzungsbedingten Pausen weiteren Auftrieb zu verschaffen. Geradezu ärgerlich, wie Dahoud und Hazard teilweise fahrlässig beste Angriffe durch schlechte Zuspiele in die Spitze zerstörten.

Auch wenn es souverän war - es war ein Muster ohne Wert. Gegen zehn Mann, die den Borussen zudem weder spielerisch noch kämpferisch gewachsen waren, bleibt letztlich der trügerische Eindruck eines dominanten Spiels hängen. Einsatzwille, Zweikampfverhalten, und Lauffreude - all das stimmte. Das allein bedeutet aber nicht, dass Kramer und Co. schon wieder auf Europapokal-Niveau wären.
Gegen Bremen reicht eine solide Leistung wie heute sicher nicht zu Punkten, gegen Florenz wohl auch nicht. Selbst bei eigenem Ballbesitz waren heute noch deutliche Wackler zu sehen, unnötige Quer- und Rückpässe, die die eigenen Mitspieler in Probleme brachten. Und natürlich vorne die Großzügigkeit im Auslassen von Torchancen. All das wird in der Bundesliga konsequent bestraft. Und so viele Räume und Abstand zu den ballführenden Spielern gibt es da natürlich auch nicht. Aber das sollten die Betroffenen ja am besten wissen.

So - nachdem ich das losgeworden bin, freue ich mich dann jetzt auch über den verdienten Viertelfinaleinzug. Und hoffe, dass dort nicht Endstation sein wird.


DFB-Pokal 2016/17, Achtelfinale (7.2.17): SpVgg Greuther Fürth - Borussia Mönchengladbach 0:2 (Tore für Borussia: 0:1 Wendt, 0:2 Hazard FEM) 

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