Überschattetes Feuerwerk

Soll man sich jetzt ärgern? Verzweifelt sein? Hoffnungsvoll über eine ziemlich gute Leistung auf internationalem Parkett? Oder den Fußballgott anklagen, der seine Launen offenbar immer wieder an Borussia abzureagieren scheint, wenn in Mönchengladbach mal die Chance besteht, international mehr als einen Achtungserfolg zu landen?

Es ist, wie es ist. Der VfL steht trotz eines über 75 Minuten hervorragenden Auftritts und einer geschlossen guten Mannschaftsleistung wieder vor dem frühen Aus in der Euro League. Gegen eine Mannschaft, die ohne nennenswertes Angriffspiel ein Spiel gewinnen kann, während die Hecking-Elf von zehn klarsten Chancen nicht eine zu verwerten versteht. Das frustriert, mich genauso wie es die Spieler frustrieren wird. Von den ersten Euro-League-Auftritten 2012 über die Champions-League-Erfahrungen ist bis heute ja eine stetige positive Entwicklung in Borussias Spiel zu sehen. Aber es zahlt sich einfach nicht in Resultaten aus. Trainer und Spieler holen sich verdienten Applaus und Schulterklopfen für die guten Leistungen ab, aber in der nächsten Runde stehen die anderen. Weil ihnen manchmal ein solcher Geniestreich reicht wie das Freistoßkunstwerk von Bernardeschi zum 0:1, nach einem so überflüssigen wie unglücklichen, aber berechtigten Foulpfiff gegen Kramer.

Dabei war die erste Halbzeit heute eine der reifsten Leistungen, die Borussia in der jüngeren Vergangenheit abgeliefert hat. Wieder einmal wurde ein renommierter Gegner im Borussia Park in arge Nöte und von einer Verlegenheit in die nächste gestürzt. Aber die ohne Zweifel verdiente Führung fiel nicht. In der zweiten Halbzeit gelang deutlich weniger, was nicht unbedingt ein Wunder war - mit dem Rückstand im Nacken und der zunehmenden Cleverness des Gegners, dem Spiel den Rhythmus zu nehmen und auch ungestraft Sekunde um Sekunde Spielzeit verbummeln zu können. Aber auch in der zweiten Hälfte war ein Ausgleich oder gar ein Sieg möglich und selbstredend wäre er verdient gewesen.
Nein, ich teile heute nicht mehr den Optimismus, dass der VfL die Serie im Rückspiel noch drehen kann, auch wenn es aus reiner Ergebnissicht nicht unmöglich ist. Notwendig wäre dazu eine eiskalte Chancenverwertung, starke Nerven vor einem sicher enthusiastischeren gegnerischen Publikum als es heute im Borussia-Park über weite Strecken schien (ich habe es nur im TV gesehen). 
Und nicht zuletzt braucht es dazu einen Schiedsrichter mit Format. Senor Manzano aus Spanien und sein Team haben natürlich nichts damit zu tun, dass die Gladbacher heute reihenweise hervorragende Chancen versemmelt haben. Schuld sind sie an der Niederlage nicht. Doch es fällt schon auf, dass die Unparteiischen in den Europapokalbegegnungen des VfL überdurchschnittlich häufig nicht ihren besten Tag erwischen.
Einen so klaren Elfmeter wie gegen Patrick Herrmann heute zu übersehen, dazu gehört schon etwas. Auf diesem Niveau sollte das nicht passieren. Zumal sowohl Schiedsrichter als auch der wieder einmal völlig unnütze Torrichter beste Sicht auf die Szene hatten. Dann verwundert die Kartenvergabe: Je eine Gelbe gab es auf beiden Seiten wegen nicht unbedingt aus dem Rahmen fallende Meckereien. Drei üble Tritte von hinten in die Beine von Herrmann und Hazard blieben dagegen ungeahndet. Und in einer zweiten Hälfte, in der die Gäste das Zeitspiel zunehmend als Stilmittel einsetzten, gab es nicht nur keine Ermahnung oder Verwarnung gegen einen oder mehrere trödelnde Spieler - auch in der Nachspielzeit schlug sich das nicht ausreichend nieder. Drei Minuten pünktlich abgepfiffener Bonus, von dem wiederum etwa 40 Sekunden dem Florentiner Zeitspiel zum Opfer fielen - das ist schon etwas absurd. Konsequente Spielleitung geht anders. Aber es passte dann eben auch wieder zu diesem Abend, an dem viel Gutes zu sehen war, das durch einen ärgerlichen Spielverlauf merklich überschattet wurde.

Euro League, Sechzehntelfinale, Hinspiel (16.2.17): Borussia Mönchengladbach - AC Florenz 0:1


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